In dem Podcast (Rücktritt als Führungskraft) von Christian Müller (proagile.de) hat sein Gast Andreas Ulrich einen impliziten guten Tipp gegeben, den ich mit diesem Post probieren möchte. Und zwar, schreibst du als Führungskraft, deine Prinzipien der Führung einmal nieder, damit du für dich regelmäßig überprüfen kannst, ob du auch das tust, wovon du überzeugt bist.

Von meinen 16 Jahren Berufserfahrung, habe ich knapp 9 Jahre Mitarbeiter geführt und dabei so viel gelernt, dass es kein Wunder ist, das meine Prinzipien heute komplett anders aussehen als noch vor 16 Jahren. Und sich in den nächsten 9 Jahren sicher weiter anpassen werden. Dabei gibt es jedoch kein richtig oder falsch. Wichtig ist nur, deinen Prinzipien treu zu bleiben oder die Konsequenzen daraus zu ziehen.

Nachfolgend findet ihr die wichtigsten Eckpfeiler in meinem Verständnis von Führung.

Individualität

Soft-Skills sind bei zunehmender Größe des Teams wichtiger als Hard-Skills. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass eine Führungskraft nicht zwangsläufig vom Fach sein muss, um ein Team gut führen zu können.

Verstehe das Mindset

Das Mindset in einer Logistikabteilung ist meist ein anderes, als im Marketing. Dieses Mindset muss verstanden und verinnerlicht werden, um eine grobe Richtung zu haben, was die Menschen brauchen.

Behandle jeden Menschen und jedes Team individuell

Jeder Mensch ist ein Individuum mit verschiedenen Soft- und Hard-Skills, einem anderen privaten Umfeld und den verschiedensten Erfahrungen. Also höre auf in Schubladen zu denken und versuch keine Regeln durchzusetzen, die für alle gleich sein sollen.

Erfahrungsaustausch ermöglichen, nicht erzwingen

Gib Menschen die Möglichkeit (Raum und Zeit) sich jederzeit miteinander auszutauschen aber akzeptiere auch, wenn manche Menschen „in Ruhe“ arbeiten wollen.

Work-Life-Integration

Eltern mit Kind haben andere Anforderungen an Arbeit als Karrieresüchtige Workaholics. Versuch den Menschen zu helfen die Arbeit in ihr Leben zu integrieren, wie sie es in ihrer Situation brauchen.

Angst vermeiden

In unserer heutigen schnelllebigen Zeit, möchte jedes Unternehmen Mitarbeiter haben, die hoch motiviert sind, über den Tellerrand schauen, sich einbringen und möglichst viel Erfahrung haben. Doch viele Mitarbeiter haben einfach Angst etwas zu tun, was Ihnen nicht explizit gesagt wurde.

Sicherheit und/oder Perspektive

Es braucht ein faires Gehalt, klare und individuelle Zukunftsperspektiven, Ziele, Coachings und das Gefühl, auch als einzelne Person, wichtig für das Unternehmen zu sein. Fairness und Wertschätzung sind die Grundpfeiler für motivierte Kollegen.

Fehlerkultur

Lass die Menschen Fehler machen und hilf ihnen und ihren Kollegen aus diesen Fehlern zu lernen. Menschen zu bestrafen bringt sie dazu, nur noch zu tun was sie ganz sicher können und das ist nie etwas Neues oder Innovatives. Es ist wichtiger zu lernen mit Fehlern umzugehen, als zu versuchen diese zu verhindern.

Vertrauen

Menschen zu Vertrauen, vor allem wenn man etwas selbst aufgebaut hat, ist schwer, aber es ist das A und O bei der Führung von Mitarbeitern. Ohne Vertrauen erstickt man im, von Paranoia getriebenen, Mikromanagement.

Team muss besser sein/werden als du

Wenn du alles selber machen und bestimmen möchtest, gelangst du an deine Grenzen, denn irgendwann kann niemand mehr alles alleine schaffen. Hast du aber Mitarbeiter die besser sind als du oder besser werden wollen, kannst du Themen abgeben und somit den Output besser skalieren.

Spezialisten entscheiden lassen

Wenn die Kollegen „an der Front“ etwas tun wollen was dir nicht gefällt aber keiner von beiden hat objektive Argumente, dann gibt es nur zwei Optionen für dich. Entweder lässt du verschiedene Varianten testen, wodurch objektive Argumente gesammelt werden können oder du vertraust den Menschen die tagtäglich mit diesen Themen in Berührung sind. Letzteres sollte vor allem bei einem schlechten Kost-Nutzen-Verhältnis des Tests gewählt werden.

Gib Verantwortung ab

Menschen möchten sich mit ihrer Arbeit identifizieren, dann erlaube Ihnen auch Entscheidungen selbst zu treffen. So motivierst du nicht nur dein Team und honorierst gute Arbeit, sondern verkürzt auch noch Entscheidungswege und Prozesse, wodurch alle mehr erreichen können.

Transparenz & Kommunikation

Menschen möchten Entscheidungen verstehen und auch mitreden können. Keiner mag es von seinen Vorgesetzten, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, denn das gibt einem das Gefühl, die eigene Meinung wäre nicht wichtig.

Ziele & Regeln

Der Grund für die Definition von Zielen und Regeln ist meist ein zugrunde liegendes Problem. Rede mit den Menschen offen darüber, erkläre das Problem im Detail und bitte sie Vorschläge für die Lösung zu machen.

Transparenz

Lass die Menschen verstehen wie es zu einer Entscheidung gekommen ist. Halte die Grundannahmen und Meinungen fest, wodurch es auch neuen Kollegen einfacher fällt diese nachzuvollziehen.

Sandwich-Position

Fast jede Führungskraft befindet sich in einer Sandwich-Position, zwischen dem eignen Team und den eigenen Vorgesetzten. Funktioniert es auf einer der Seiten nicht, wird dies gerne Mal auf der anderen Seite abgelassen, doch das funktioniert nicht lange.

Erfolge macht dein Team, Fehler machst du

Gibt es Erfolge im Team oder von einzelnen Personen, dann feire und kommuniziere die, es gibt für die meisten Menschen kaum etwas wichtigeres als Wertschätzung. Und wenn dein Team einmal Fehler macht, dann ist das alleine dein Fehler, weil du für das Team verantwortlich bist.

Trage Entscheidungen deiner Vorgesetzten

Entscheidungen deiner Vorgesetzten musst du im Team mittragen, ohne Seitenhiebe auf deine Vorgesetzten. Versuche sie zu beeinflussen und zu verstehen aber niemals im Team dagegen zu hetzen. Wenn sich Entscheidungen anhäufen, die du nicht tragen kannst, frag dich, wie gut die Position noch zu dir passt.

Offenheit & Reflexion

Sei offen für Veränderungen und reflektiere konstruktives Feedback. Nicht jede deiner Prinzipien wirst du sauber umsetzen oder vielleicht sind manche Prinzipien auch falsch bzw. nicht passend. Also lass nicht nur Feedback zu, sondern fördere dieses Feedback.

Niemand kann deinen Führungsstil besser beurteilen als dein Team!