Auf den Straßen sieht man immer mehre Händlereigene Logistikflotten, Amazon, Picnic, REWE, Flaschenpost, Durstexpress, AO, Bofrost, Zalando… und in den nächsten Jahren scheinen weitere hinzu zu kommen. Dazu kommen noch klassische Logistiker (DHL, DPD, Hermes, GLS, UPS, FedEx und trans-o-flex) und regionale Anbieter/Kuriere für Same-Day-Delivery bzw. genauere Zustellfenster.

Was in den ländlichen Regionen, mit Familien, die ein Haus mit einer Abstellfläche besitzen, noch ganz gut funktioniert, wird in einer Stadt mit Mehrfamilienhäusern und vollständig berufstätigen Haushalten, jedoch zu einem Problem.

Für die Kunden wird es so in den nächsten 10 Jahren eher schwieriger als leichter, vor allem da der E-Commerce sich noch Vervielfachen wird.

Aktuell: Abholstationen, Packstationen & Müll

Logistiker beklagen sich, dass die Kosten steigen, da immer seltener jemand zuhause anzutreffen ist. Aus diesem Grund gibt es von fast allen klassischen Logistikern Abholstationen in Tankstellen oder Kiosks, die sich leider weder bei den Öffnungszeiten noch bei der Kundenerfahrung wirklich gut anfühlen.

Hinzu kommen die Packstationen von DHL, Amazon und ParcelLock (Hermes, DPD und GLS), sowie ein paar (fast) neutrale regionale Packstationen wie die „Hamburg Box“ oder „pakadoo“ in Konstanz.

So gern ich selbst die DHL Packstationen nutze, merke ich jedes Jahr mehr, dass Pakete immer häufiger in andere DHL-Packstationen umgeleitet werden (Kilometer weit entfernt) oder in einer Postfiliale landen, da die Stationen voll sind.

Zahl der DHL Packstationen im Vergleich zur Amazon-Entwicklung in Deutschland (Quelle: ExcitingCommerce)

Darüber hinaus muss ich gestehen, häufig bei Amazon zu bestellen, obwohl ich einen anderen Shop präferieren würde. Grund ist für mich die Notwendigkeit der Packstation. Und da ich entweder nicht weiß mit wem der Händler liefert oder er einen anderen Logistikdienstleister nutzt als notwendig, lande ich aus Bequemlichkeit doch wieder beim Marktführer.

Und bei diesen ganzen Punkten haben wir den am schnellsten wachsenden Bereich „Food“ noch gar nicht berücksichtigt. Hier habe ich aktuell gar keine Chance frische und gekühlte Lebensmittel zu bestellen.

Eines der vielen weiteren Probleme ist der ganze Verpackungsmüll (226kg pro Person). Hier gibt es nicht nur Umverpackung, um Umverpackung, sondern auch Polstermaterial und/oder Kühlungen des Produkts. Da bekommt jeder zurecht ein schlechtes Gewissen, wenn man die Papier- und Verpackungstonne zuhause öffnet.

So könnte die Welt 2030 aussehen

In 10 Jahren wird es einige gesetzliche Rahmenbedingungen und Verbote geben, die eine Vervielfachung von Logistikern oder Einwegverpackungen verhindern.

Eine Lieferung direkt in die Wohnung wird nur noch Logistikern mit Lizenz erlaubt. Diese müssen alle Lieferungen, sämtlicher Händler und Logistiker anliefern. Ziel ist es das jeder Haushalt maximal einmal am Tag, mit einem Zustellfenster von einer Stunde und einem Elektrofahrzeug, angefahren werden darf.

Last-Mile-Logistiker

Diese Last-Mile-Logistiker genießen einen Gebietsschutz von einem X Kilometer großen Radius wovon es pro Gebiet nur 2-3 geben darf. Hierfür müssen die Last-Mile-Logistiker eine Lizenz erwerben (ähnlich den Mobilfunklizenzen).

Aus diesen 2-3 Last-Mile-Logistikern kann ein Kunde frei wählen und einen zusätzlichen Vertrag (Abo) abschließen. Der ausgewählte Logistiker bringt dann Sperrgut, Lebensmittel und Non-Food-Bestellungen in einer Lieferung, bis an die Wohnungstür. Last-Mile-Logistiker können sich dabei durch zusätzliche Services, wie Aufbau, Installation, Einrichtung etc. voneinander abheben.

Packstationen Next Level

Für den Großteil der Bevölkerung reicht es jedoch aus, die Pakete, ohne extra Abo an eine der neuen Packstationen zu bekommen. Diese neuen Packstationen dürfen dabei ausschließlich von den Last-Mile-Logistikern oder von regionalen Händlern innerhalb eines X Kilometer Radius befüllt werden.

Da es keine Lieferung bis an die Wohnungstür mehr gibt, wird es in Onlineshops auch keine Lieferanschrift im klassischen Sinne mehr geben. Stattdessen gibt es nur noch einen kurzen alphanumerischer Code, der Person, Last-Mile-Logistiker und Station zuordenbar macht.

Sowohl die Anbieter der Packstationen als auch die Händler haben sich gemeinsam auf einen einheitlichen Standard für wiederverwendbare Verpackungen geeinigt (ähnlich pick8ship). Damit haben Händler und Logistiker nicht nur den Müll der komplette Lieferkette extrem reduziert, sondern die Logistik auch national extrem effizient (günstiger, schneller und automatisiert) gemacht.

Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass jede Packstation auch einige gekühlte Fächer enthalten muss, oder?

City-Hubs

Jeder Last-Mile-Logistiker besitzt einen eigenen City-Hub, durch das er seinen X Kilometer großen Radius effektiv bedienen kann. Dieses Hub dient nicht nur als Umschlagsplatz für die aus ganz Deutschland kommenden Sendungen, sondern auch als Abholstation für sperrige Güter, für Kunden die keinen Vertrag für die Wohnungstürzustellung abgeschlossen haben.

Dank den standardisierten Mehrwegverpackungen sind diese Hubs komplett automatisiert und können die Last-Mile-Logistik-Fahrzeuge ohne menschliches Zutun beladen, was viel Zeit und Kosten spart.

Verteilzentren

In allen Ballungsräumen stehen nationale bzw. internationale Verteilzentren vor den Toren der Stadt, die sich um die Logistik von größeren Entfernungen kümmern. Von hier aus werden entweder Sendungen in die City-Hubs geschickt oder zu anderen Verteilzentren in Deutschland oder international.

Immobilien

So wie es heute verpflichtend ist bei neu errichteten Gebäuden Parkplätze mit anzubieten, so muss 2030 in jedem neuen Wohngebäude eine Packstation in entsprechenden Dimensionen angeboten werden. Wohnungen mit integrierter Packstation werden damit so begehrt, dass Immobilienbesitzer bei Sanierungen von sich aus eine Packstation integrieren wollen.

Fazit

Auch wenn es sich hier vielleicht um eine nicht zu Ende gedachte Utopie handelt, soll sie zeigen, dass wir eigentlich alles hätten was wir brauchen, um viele unserer Probleme zu lösen. Standardisierte Mehrwegverpackungen und Packstationen, sowie eine klare Regelung der letzten Meile, erhöhen nicht nur den Lebenskomfort oder die Zustellgeschwindigkeiten, sondern reduzieren auch noch Verkehr und Müll um einen großen Anteil.